Neophyten

Zu den Pflanzen im Main-Taunus-Kreis zählen auch Neophyten, das sind vor langer Zeit eingeschleppte Arten, die heimische Gewächse bedrohen.
Drei Neophyten Pflanzen Manfred Stöber - stock.adobe.com

Neophyten sind Pflanzen, die nach 1492 (Wiederentdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus) in Gebiete eingeführt wurden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkamen. Viele dieser Kulturpflanzen (wie Mais oder Tomate) und Gartenpflanzen (Serbische Fichte, Roteiche) tragen inzwischen zur Vielfalt bei oder sind wichtige Nahrungsmittel.

Andere sind oft einheimischen Pflanzen überlegen, weil sie keine natürlichen Konkurrenten oder Feinde haben oder sich beispielsweise durch höhere Samenproduktion leichter ausbreiten und Standorte dominieren.

Neophyten verursachen mehrere Arten von Schäden:

  • wirtschaftliche Schäden (Unkraut in der Landwirtschaft und Erosion durch mangelnde Befestigung von Ufern)
  • Gesundheitsgefahr (Hautverbrennungen durch Riesen-Bärenklau, Allergien durch Pollen der Ambrosie)
  • ökologische Schäden (Verdrängung heimischer Arten, Veränderung von Ökosystemen)

Riesenbärenklau

Heracleum mantegazzianum

Der Riesenbärenklau ist eine zwei- bis mehrjährige krautige Pflanze. Die aus Asien stammende Pflanze ist in Europa und Nordamerika ein etablierter Neophyt, der bei bloßem Hautkontakt in Verbin­dung mit Sonnenlicht schwere Verbren­nungen auslösen kann. Die Pflanze wird schnell zu einer Plage und bildet in kürzester Zeit große Bestände, die sich nur sehr schwer entfernen lassen.

Wegen der Gesundheitsgefahr wird der Riesenbärenklau vielerorts bekämpft; trotzdem ist er im ganzen Main-Taunus-Kreis verbreitet. Die Pflanze wächst in Gärten, Parks, an Straßenrändern, in Bach- und Flusstälern sowie auf Brachen anzutreffen.

Der Riesen-Bärenklau ist mehr als drei Meter hoch mit sehr großen, weißen Doldenblüten. Die mäßig dicht behaarten Stängel der Pflanze sind an der Basis im Durch­messer zwei bis zehn Zentimeter dick. Die Blätter erreichen normalerweise eine Länge von einem Meter, jedoch können sie auch drei Meter lang werden.

Bloße Berüh­rung der Pflanze kann  bei Menschen zu schmerzhaften und schwer heilenden Verbrennungen führen. Deshalb sollte bei der Bekämpfung voll­ständige Schutzkleidung inklusive Gesichtsschutz getragen werden.

Der Riesen-Bärenklau übersteht auch mehrfaches Mähen. Einzelpflanzen können im Rosettenstadium am Wurzelansatz mit einem Spaten ausgestochen werden. Alternativ können im Frühjahr die Keimlinge heraus­gezogen oder im Herbst oder Frühjahr mitsamt der Wurzel ausgegraben werden. Das sollte unbedingt vor der Samenbildung geschehen. Geköpfte unreife Samenstände können noch verbreiten; deshalb müssen die Samenstände verbrannt oder in die Mülltonne gesteckt werden.

Weitere Möglichkeiten sind wiederholtes Fräsen oder der Einsatz von Herbiziden, der aber nur abseits von Gewässern durchgeführt werden kann. Auch eine Beweidung mit Schafen kann zur Beseitigung von Vorkommen führen. Flächige Bestände müssen über viele Jahre bekämpft werden.

Riesenbärenklau-Pflanze im Main-Taunus-KreisMain-Taunus-Kreis

Ambrosie

Ambrosia artemisiifolia

Die Ambrosie ist ein einjähriges Unkraut aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae); ursprünglich stammt sie aus Nordamerika. Sie kann beim Menschen durch den Pollen, aber auch bei Hautkontakt mit dem Blütenstand heftige Allergien bis hin zu Asthma auslösen.

Trotz Aufrufen zur Meldung von Beständen in Tages­zeitungen wurden bislang nur drei Vorkommen im Main-Taunus-Kreis (Baugebiet in Dieden­bergen, Vogel­futter­stelle in Lorsbach, Brachfläche in Hochheim) entdeckt, die allesamt beseitigt werden konnten. Möglicherweise sindnoch viele Bestände unentdeckt.

Die Ambrosie wächst 20 Zentimeter bis 1,5 Meter hoch. Die Stängel sind leicht behaart, die Blütenstände gedrungen und die Wuchsform kugelig. Die einjährige Pflanze blüht von Juli bis Oktober mit fingerförmigen, grüngelblichen Blüten­ständen, die kleine, unscheinbare gelbe Blüten­köpfchen tragen und bis zu einer Milliarde Pollen pro Pflanze produzieren. Außerdem entstehen bis zu 60.000 Samen, die bis zu 40 Jahre lang keimfähig bleiben können.

Die Pflanze wächst besonders gern an Straßenrändern, in Kies­gruben, an Bahn­­dämmen, auf Bau­stellen, aber auch in Gärten - besonders unter Vogel­futterplätzen. In einer Untersuchung des Verbrauchermagazins Ökotest aus dem Jahr 2007 waren nur 3 von 18 Vogelfutterprodukten frei von Ambrosia-Samen.

Die Pollen gehören zu den stärksten Allergie-Auslösern. Die unbehandelte Allergie kann Reaktionen der Augen und der Atemwege auslösen und im schlimmsten Fall somit auch zu Asthma führen. Der späte Blütezeitpunkt der Ambrosia von Juli bis Oktober bedeutet eine zusätzliche Belastung der Pollenallergiker durch eine Verlängerung der Pollensaison, wenn die Gräserpollen nur noch in geringen Mengen fliegen.

Die Pflanzenbestände lassen sich am besten durch Ausreißen reduzieren. Die Pflanze darf dabei nur mit Handschuhen berührt werden. Einmaliges Mähen vor der Blütezeit ist nicht effizient, da geschnittene Pflanzen rasch neue blütentragende Zweige bilden können. In der Hauptwachs­tumsphase (Juli bis September) kann durch mehrmaliges, tiefes Abmähen im Abstand von drei bis vier Wochen die Pflanze so geschwächt werden, dass sie es nicht mehr schafft, neue Triebe und Blütenstände zu bilden.

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