Frühgeschichte und Römerzeit (ca. 206 n. Chr.)
Ein Grabhügel, den man bei Ausgrabungen auf dem Hofheimer Kapellenberg freilegte, zeugt davon, dass das Gebiet zwischen Main und Taunus schon in der Steinzeit bewohnt gewesen sein muss. Er wird auf das Jahr 4.100 v. Chr. datiert. Auch Relikte aus keltischer Zeit sind nachweisbar.
Ab etwa 40 n. Chr. herrschten die Römer auch rechts des Rheins. Zum Schutz wichtiger Handelsstraßen wurde auf dem Gelände des heutigen Landratsamtes ein Erdkastell errichtet. Bis zu 500 Mann, teilweise auf Pferden unterwegs, sicherten von dort aus den Weg zwischen Aquae Mattiacae (Wiesbaden) und dem Verwaltungshauptort Mogunciacum (Mainz).
Das Lager wurde zwischenzeitlich als Holzkastell ausgebaut und ab etwa 72 n. Chr. durch ein Steinkastell ersetzt. Zu dieser Zeit gehörte das Gebiet des heutigen Main-Taunus-Kreises zur römischen Provinz Obergermanien. In unmittelbarer Nähe des Kastells entsteht ein ganzes Dorf (Vicus), das der Versorgung und Unterbringung der Soldaten dient.
Um das Jahr 106 n. Chr. wird das Kastell zugunsten des Limes aufgegeben. Das angrenzende Dorf bleibt jedoch noch rund 100 Jahre lang bestehen.
Robert Hübner-MorgadoDiener vieler Herren – der MTK im Mittelalter und der Neuzeit
(ca. 206 n. Chr.-1866)
Das Gebiet des heutigen Main-Taunus-Kreises war im Mittelalter von verschiedenen Herrschaften unterschiedlicher Größe und Bedeutung geprägt. Zu den wichtigsten zählten die Herren von Eppstein und die Erzbischöfe von Kurmainz. Ihre Herrschaftssymbole, das Mainzer Rad und die Eppsteiner Sparren, finden sich bis heute im Wappen des Main-Taunus-Kreises wieder.
In dieser Zeit werden auch die meisten der heutigen Städte und Gemeinden erstmals urkundlich erwähnt. Bis aus den zahlreichen kleinen Territorialherrschaften jedoch ein zusammenhängendes Kreisgebiet entsteht, vergeht noch einige Zeit.
Im 19. Jahrhundert kommt es erneut zu tiefgreifenden Veränderungen. So fällt das Gebiet im Jahr 1803 zunächst an Nassau-Usingen und wird 1806 Teil des Herzogtums Nassau. 1866 annektierten die Preußen die vormals eigenständigen Herrschaftsgebiete. Die neu gebildete Provinz Hessen-Nassau wurde in Kreise gegliedert, unter anderem entstand der Mainkreis.
Die Gebietsreform von 1866 gilt als Geburtsstunde der Landkreise Höchst und Wiesbaden, aus denen später der Main-Taunus-Kreis hervorgehen soll.
Peter BeckerDer MTK – nur ein Aprilscherz? (1866–1928)
In den 1920er-Jahren erlebt das Gebiet rund um Rhein, Main und Taunus ein starkes Bevölkerungswachstum. Die damit einhergehende territoriale Ausdehnung von Städten wie Wiesbaden und Frankfurt bedeutete für viele kleinere Gemeinden das Ende ihrer Unabhängigkeit. Immer mehr Gemeinden wurden in die Verwaltungsstrukturen der Großstädte eingegliedert.
Besonders betroffen war der Kreis Höchst: Er verlor rund zwei Drittel seiner Einwohner und die namensgebende Stadt Höchst wurde Teil Frankfurts. In dieser stark verkleinerten Form sah man keinen Nutzen mehr im Fortbestand der Kreise Wiesbaden und Höchst. Offen blieb jedoch die Frage, wie mit den verbliebenen Gemeinden verfahren werden sollte.
Am 1. April 1928 werden schließlich die Gemeinden der beiden Restkreise mit mehreren Orten aus dem Obertaunus, Usingen und dem Untertaunus zusammengelegt. So entsteht der Main-Taunus-Kreis. Diese Neugründung stieß jedoch nicht überall auf Zustimmung und es kam zu zahlreichen Diskussionen über Sinn und Zweck des neuen Kreises.
Zum Zeitpunkt seiner Gründung umfasst der Main-Taunus-Kreis insgesamt 49 Städte und Gemeinden mit rund 62.940 Einwohnerinnen und Einwohnern. Aus praktischen Gründen wird der Verwaltungssitz zunächst in Höchst belassen, obwohl dieser nun außerhalb des Kreisgebiets liegt. Dieser ungewöhnliche Zustand besteht bis in die 1980er-Jahre fort. Erster Landrat des neuen Kreises ist Wilhelm Apel, der zuvor Landrat des aufgelösten Kreises Höchst war.
Main-Taunus-KreisDas Ende der Demokratie (1928–1945)
Kurz nach seinem Amtsantritt sieht sich Landrat Wilhelm Apel mit der ersten großen Krise des noch jungen Main-Taunus-Kreises konfrontiert. Die sich rasch verschlechternde Weltwirtschaftslage wirkt sich auch auf den Kreis spürbar aus. Die Unterstützung von Erwerbslosen und verarmten Kriegswitwen wird zu einem zentralen Thema und die dafür vorgesehenen Mittel im Kreishaushalt steigen stark an.
Mit der sogenannten „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wird der Staat grundlegend im Sinne der NSDAP umgestaltet und auch im Main-Taunus-Kreis endet damit die Demokratie. Landrat Apel, selbst Mitglied der SPD, wird seines Amtes enthoben und durch den national gesinnten Verwaltungsbeamten Dr. Ernst Jahnke ersetzt.
In der Folge werden demokratische Strukturen in der Kreisverwaltung schrittweise abgebaut. Bereits 1933 wird der Kreistag aufgelöst und durch einen Kreisausschuss ersetzt, der fortan die Entscheidungen trifft. Doch auch dieses Gremium besteht nur kurze Zeit. Ab 1939 obliegen politische Entscheidungen allein dem Landrat.
Zu diesem Zeitpunkt bekleidet Dr. Franz Brunnenträger, ein linientreuer NSDAP-Angehöriger, das Amt des Landrats. Er wurde am 1. April 1945, genau 17 Jahre nach der Gründung des Main-Taunus-Kreises, von amerikanischen Truppen verhaftet.
StA KelkheimZusammenbruch und Neubeginn (1945-1972)
Auch der Main-Taunus-Kreis blieb vom Zweiten Weltkrieg nicht verschont. Zwar waren die Verheerungen nicht so umfassend wie in den Großstädten, dennoch standen die von der amerikanischen Militärregierung eingesetzten Landräte Walter Weber und sein Nachfolger Dr. Joseph Wagenbach vor enormen Herausforderungen.
Neben der Frage der Beseitigung der Kriegsschäden musste die Infrastruktur wieder aufgebaut und die Bevölkerung ernährt werden. Hinzu kam die große Zahl von Vertriebenen und Flüchtlingen, die die ohnehin bestehende Wohnungsnot weiter verschärfte.
Dank der besonnenen Politik Webers und Wagenbachs sowie der sich erholenden Wirtschaft entspannte sich die Lage in den folgenden Jahren allmählich. Mit dem sogenannten Wirtschaftswunder, das sich auch im Main-Taunus-Kreis bemerkbar machte, änderte sich die Struktur der heimischen Wirtschaft: Während der Kreis zuvor stark agrarisch geprägt war, gewannen nun Industrie und Handel zunehmend an Bedeutung.
Main-Taunus-KreisDie hessische Gebietsreform (1972–1987)
Die letzte große Umwälzung im Main-Taunus-Kreis fand in den 1970er-Jahren statt. Im Rahmen der hessischen Gebietsreform wurden zahlreiche Gemeinden zusammengelegt und andere Ortschaften ausgegliedert. Gemeinden, die einem freiwilligen Zusammenschluss nicht zustimmten, wurden zum 1. Januar 1977 anderen Städten zugeteilt – oft unter Protest der Bevölkerung.
Seit Abschluss der Gebietsreform hat der Kreis seine heutige Form behalten. Die zwölf Kommunen sind heute ein unverzichtbarer Bestandteil des Main-Taunus-Kreises.
Der Kreissitz liegt jedoch noch immer außerhalb des Kreisgebiets. Im Jahr 1980 wird schließlich beschlossen, den Verwaltungssitz nach Hofheim zu verlegen. Das von Landrat Löwenberg in Auftrag gegebene Verwaltungszentrum wurde 1987 eröffnet und trägt den Spitznamen „Löwenburg“. Es wird bis heute genutzt.
Robert Hübner-MorgadoNeue Zeiten – Neue Herausforderungen (1972–heute)
Auch wenn sich die Form des Main-Taunus-Kreises seit der Gebietsreform nicht verändert hat, blieb der Kreis doch stets in Bewegung.
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde er internationaler. Zwar bestanden bereits seit 1979 freundschaftliche Beziehungen mit dem englischen Metropolitan Borough of Solihull, doch erst im April 1992 verkündete Landrat Riebel eine offizielle Partnerschaft. Zur selben Zeit initiierte er die „Gespräche im Kreishaus“, um den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern des Kreises zu stärken.
Auch die beginnende Digitalisierung der Verwaltung rückte in den Fokus. Aus heutiger Sicht erscheint der Eintrag in der Chronik von 1993 amüsant: Die erste digitale Katasterkarte wurde an die Stadt Hofheim übergeben. Diese Modernisierung setzte sich mit der Jahrtausendwende fort – die Verwaltung wurde moderner.
Gleichzeitig gewannen Kunst und Kultur im Kreis an Bedeutung. Einen wichtigen Beitrag zur Überlieferung der Kreisgeschichte leistet das seit 1993 erscheinende Jahrbuch. Die Autorinnen und Autoren widmen sich darin nicht nur der Vergangenheit, sondern behandeln auch aktuelle Themen rund um den Kreis.
Zahlreiche Projekte zur Kulturförderung wurden ins Leben gerufen: Beim Kunstwettbewerb „Intermezzo” arbeiten junge Menschen beispielsweise gemeinsam mit professionellen Künstlerinnen und Künstlern an kreativen Projekten. Das Jugendsinfonieorchester lädt seit 2011 unter der Schirmherrschaft von Landrat Cyriax zu Konzerten ein, bei denen sowohl klassische Musik als auch moderne Filmmusik präsentiert wird.
Im Jahr 2028 feiert der Kreis sein hundertjähriges Jubiläum. Aus den ursprünglich kleinen, zusammengeführten Städten und Gemeinden ist eine moderne, eng verbundene Einheit mit eigener Identität entstanden. Mit dieser Basis kann der Main-Taunus-Kreis auch die kommenden hundert Jahre zuversichtlich gestalten.
Robert Hübner-Morgado
Main-Taunus-Kreis